Als vor 85 Jahren, im März 1939, die deutsche Wehrmacht die Tschechoslowakei einnahm, zerschlug sie nicht nur die einzige in Mitteleuropa verbliebene Demokratie. Die Soldaten beseitigten auch die letzte zentraleuropäische Zufluchtsstätte, in der Menschen Schutz gefunden hatten, die aus Deutschland, Österreich und dem Sudetengebiet vor dem nationalsozialistischen Terror geflohen waren. Neben politischen Flüchtlingen waren dies vor allem zehntausende Juden, die in Prag unter erbärmlichen Verhältnissen leben mussten.
Bereits Anfang 1939 war der Engländer Nicholas Winton bei einem Besuch in Prag auf die verzweifelte Situation insbesondere der Kinder unter den jüdischen Flüchtlingen aufmerksam geworden und entschloss sich, in Ergänzung zu den Ende 1938 beginnenden Kindertransporten aus Deutschland und Österreich auch jüdischen Kindern aus Prag zur Flucht nach Großbritannien zu verhelfen.
Die Notwendigkeit dieser Rettungsmaßnahme verschärfte sich mit der Okkupation der Tschechoslowakei durch Deutschland. Insgesamt konnten Winton und sein kleines Team bis Ende August 1939 669 Kinder aus Prag nach Großbritannien bringen; mit Kriegsbeginn am 1. September 1939 endete auch dieser Kindertransport. Nach 1945 blieben die Kindertransporte, auch die aus Prag, jahrzehntelang vergessen.
